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Extreme Makeover für den TV-Ideal

In meinem letzten Beitrag habe ich den TV-Ideal ein neues Innenleben verpasst, nun geht es darum den 70er-Jahre Look etwas aufzuwerten.

Erstmal Compüterlen

Das Konzept stammt noch aus dem Jahre 2015: Der TV-Ideal soll zu einem Double Dragon konvertiert werden.

Als damals beim Anschliessen der Double Dragon PCB der Monitor kaputt ging und, wie wir jetzt wissen, nicht mehr gerettet werden konnte, soll dieser Automat nun permanent zu einem Double Dragon konvertiert werden als Symbolbild für mein Durchsetzungswillen.

Als erster Job stellte sich mir das Drucken der Vinyl-Folien. Also setzte ich mich an den Computer und fing an, HiRes Scans des Double Dragon Artworks zu suchen. Da ich nicht 1:1 die gleichen Dimensionen an meinem TV-IDEAL wie an einem Original-Double Dragon vorfand, musste ich dies anpassen. Beim Sideart wollte ich ursprünglich ein Taito Generic Sideart aufbringen. Hier stiess ich in einem Arcade-Forum auf einen Händler, welcher sich auf Klebefolien für Arcade-Automaten spezialisiert hatte. Dieser hatte dieses Design für das “Hellomat” Gehäuse bereits umgesetzt und würde es einfach für den TV-IDEAL Standard anpassen können.

Dieser Händler hatte ebenfalls schon ein Design für den TV-Ideal erstellt und eine Vorschaudatei im Forum veröffentlicht. Dies konnte ich als Vorlage für mein angepasstes Double Dragon Design verwenden und ich würde sicher gehen, dass die Dimensionen bzw. Seitenverhätlnisse stimmen.

Also warf ich mein Lieblings-Grafikprogramm “Gimp” an und fing an die Designs zusammenzuführen. Manche Dinge würden nicht mehr passen oder musste von Grund auf neu designt werden, insbesondere das Control-Panel Overlay. Dies war darin begründet, dass der TV-IDEAL ein anderes Button-Layout hat als ein Original-Double Dragon. Nachdem ich mir ein paar Abende ein paar Stunden dafür Zeit genommen hatte, war mein Werk schliesslich vollendet:

Dies ist natürlich nur ein Vorschaubild. Die Originaldatei ist viel grösser. Meine Druckdatei war sogar absichtlich “viel zu Gross” ausgelegt, da ein Verkleinern der Grafik weniger ein Problem darstellt, als das vergrössern einer Datei mit kleiner Auflösung.

Falls Ihr an diesem Design interessiert seid, setzt euch bitte mit mir oder direkt mit dem Händler https://arcadeartshop.de/

in Verbindung. Er dürfte die Files noch haben und auch direkt zum Drucken schicken. Auch kleinere Anpassungen sind sicherlich noch möglich. ich kann diesen Händler vollumfänglich empfehlen.

Der Preis fand ich ebenfalls in Ordnung, obwohl mir das Sideart zu teuer war, was aber eher am Produkt geschuldet ist und nicht an der Marge des Händlers. Deshalb entschied ich mich, nur die von mir designten Folien drucken zu lassen und den Automaten zu bemalen. Hier wollte ich mich am Design der Webseite orientieren, also ein Schwarzer Untergrund mit pinkem Gittermuster. Dies führte mich zu meinem nächsten Arbeitsschritt.

30 Jahre Vandalismus wegspachteln

Als erstes montierte ich die Fronttür ab und schliff es grob ab. Mir fiel dabei auf, dass die Kanten sowie eine Ecke durch den langem Betrieb etwas in Mitleidenschaft gezogen worde ist. Ich bastelte einen Rahmen für die abgebrochene Ecke und schmierte sie grosszügig mit Universal-Spachtelmasse zu, was sich im Nachhinein als grosser Fehler herausstellen sollte.

Wie bereits erwähnt war die Universal-Spachtelmasse für eine derart grosse Spachtelarbeit nicht geeignet und die Ecke brach ganz einfach wieder ab.

In der amerikanischen Arcade-Szene wird bei solchen Arbeiten immer die Automobil-Spachtelmasse “Bondo” empfohlen, welche jedoch bei uns nicht verfügbar ist. Ich fand allerdings eine europäische Alternative namens “presto”. Ich kann dieses Produkt vollumfänglich empfehlen, es ist ein wahres Wundermittel. Das Zeug wird sauhart und hält bombenfest, man könnte wohl ein ganzes Haus damit bauen.

Auch hier bastelte ich mir zuerst wieder einen Rahmen aus einer alten Zigarrenschachtel und füllte den Ecken wieder auf, jedoch klebte die Spachtelmasse dann zu sehr am Holz der Zigarrenschachtel sodass die Ecke ein zweites Mal abbrach. Als kleinen Tipp erfuhr ich später, dass ich die Zigarrenschachtel mit WD-40 hätte einspritzen sollen, dann wäre dies nicht passiert. Auf jeden Fall spachtelte ich dann im Dritten Anlauf munter drauf los und schmierte Zeug drauf was das Zeug hielt und schliff dann den Überschuss ab. Dies ist zwar nicht der richtige Weg, jedoch funktionierte es ganz gut und ich hatte wieder eine schöne Ecke und Kate an der Fronttüre.

Als nächstes musste ich diese Arbeitsschritte noch für das gesamte Automatengehäuse wiederholen. Zuerst schliff ich mir am ganzen Gehäuse einen ansehnlichen Tennisarm.

Nun besserte ich auch hier noch einige Kanten und Ecken mit der Spachtelmasse aus und schlief dies ab.

Nun ging es daran, das Gittermuster für die Malerarbeiten vorzubereiten.

Pythagoras dreht sich im Grab um

Als erster Schritt galt es nun, ein Gittermutster aufzuzeichnen, was als Grundlage für das Malerkrepp gelten soll. Dafür verwendete ich eine ultralange Wasserwage. Aufgrund des Gewichts brach mir fast der Vorderflügel ab und deshalb machte ich diesen Schritt in zwei Anläufen.

Anhand dieser Linien wurden schliesslich das Malerkrepp aufgeklebt:

Der Plan war ja, ein pinkes extrabreites Gittermuster aufzupinseln was dann erneut mit Malerkrepp abgedeckt wird und dann mit Schwarzer Farbe übermalt wird. Also musse ein Grossteil dieser Klebebahnen wieder herausgeschnitten werden.

Ran an den Pinsel

Nun wurde das ganze Gehäuse noch grosszügig mit Entfetter behandelt und dann in zwei Schichten mit telemagenta bemalt. Die Farbe trug ich mit einem Pinsel auf und ich entschied mich aus entsorgungstechnischen Grünen für Wasser-verdünnbaren Lack.

Als nächster Schritt musste nach dem Trocknen das Klebeband wieder weggekratzt werden. Da ich dies viel zu spät machte ging es entsprechend schlecht vonstatten.

Nun klebte ich das eigentliche Gittermuster mit dem Spezial-Klebeband “Frog Tape” ab.

Obwohl dieses Klebeband speziell dafür geeignet sein sollte, gut zu haften und schöne Kanten hervorzubringen, so hielt an einigen Ecken und einige ganze Bahnen nicht mehr richtig, als ich die Schwarze Farbe mit der Rolle auftragen wollte.

Ich probierte das Klebeband mit noch mehr Klebeband an den Kanten zu fixieren und hoffte aufs Beste.

Satisfaction Level over 9000

Nun konnte ich das Frogtape wieder abziehen und das Gittermuster würde zum Vorschein kommen: ein magischer Moment, den ich euch nicht vorenthalten will.

Gerne zeige ich euch nun das Endergebis der Malerarbeiten. Leider hielt das Frogtape nicht ganz was es verspricht, wobei anzumerken gilt, dass dort wo es gehalten hat, die Kanten wirklich schön wurden.

Als letzter Schritt blieb mir nun nur noch das Versiegeln mit Klarlack übrig. Hier entschied ich mich für Spraylack des deutschen Filzstiftherstellers Edding, bei dem ich mich endlos daran genervt habe, dass kein Sprühkopf mitgeliefert wird. Bei dem Premium-Preis dürfte dies selbstverständlich sein.

Fort Knox und Weihnachtsbeleuchtung

Als nächstes baute ich die Fronttüre wieder zusammen und baute ein neues Schloss ein, dies lief relativ problemfrei, da das Schloss bereits entfernt worden war.

Bei der Kassentür hatte ich jedoch grosse Probleme. Natürlich hatte ich keinen passenden Rundschlüssel, auch mit dem Engländer oder der Rohrzange konnte ich die Arretierungsmutter nicht lösen. Selbst ein durchbohren war nicht möglich. Es blieb mir nichts anderes übrig, als das richtige Werkzeug zu kaufen.

Parallel dazu brachte ich das neue blaue T-Molding an. Mit einem Schraubenzieher und einer Zange war es sehr einfach, das alte T-Molding zu lösen.

Um mit dem neuen T-Molding um die Ecken zu kommen empfiehlt es sich, einen Teil der Nutfläche herauszuschneiden.

An ein paar Stellen flog das T-Molding trotzden immer wieder raus, hier half mir etwas Heissleim.

Als nächstes wollte ich die Marquee Beleuchtung noch sauber montieren. Dazu schnitt ich mir ein Stück Karton zurecht und klebte es oben hinter das Marquee. Leider musste ich noch ein Stück wegschneiden, da ich falsch gemessen hatte. Auch zum Schluss ist dies noch nicht ganz ideal und wird noch einmal korrigiert werden müssen.

Da es sich um RGB-LEDs handelt kann ich diese noch farblich anpassen und am Schluss die Farbe wählen, die am besten aussieht.

Folienarbeit

Nun war die Zeit gekommen, die Folien anzubringen. Als erstes entfernte ich hierzu alle Buttons und Joysticks des Control Panels.

Der linke Joystick stellte sich dabei als besonders widerspenstig heraus, doch mit einem Hammer und genug Gewalt konnte der Joystick schliesslich entfernt werden.

Als nächstes musste noch das Loch für den Spiel-Umschalter gebohrt werden. Mit diesem Knopf soll dann zwischen Double Dragon I und Double Dragon II umgeschaltet werden können.

Mit etwas Geduld und durch Kühlung des Bohrkopfes gelang es mir schliesslich, das Loch zu bohren.

Leider war das Loch danach noch nicht gross genug. Mit einer Rundfeile konnte dies allerdigs noch korrigiert werden.

In der warmen Stube einer guten Freundin machten wir uns dann daran, die Folien erst einmal zuzuschneiden, leider waren die Folien etwas zu gross geraten, was aber nicht schlimm war.

Danach beklebten wir die komplette Folie samt weissem Bildschirmauschnitt auf die Glasscheibe. Den weissen Bildschirmauschnitt schnitten wir nachher heraus und zogen es von der Glasscheibe ab. Ein paar weisse Ränder sind noch zu sehen, jedoch werde ich diese mit einem schwarzen Filzstift übermalen.

Danach war noch das Control-Panel an der Reihe. Zu zweit ging das ganz gut auch um die Kante, ich war froh, habe ich mir Hilfe geholt.

Das grosse Finale

Nun galt es nur noch, alles zusammenzusetzen und Bilder des fertigen Kastens zu machen. Zu den Bildern möchte ich anmerken, dass die Jamma PCBs noch nicht wieder eingebaut wurden und auch das Degaussing Problem noch nicht gelöst wurde. Ausserdem werde ich die Marquee Beleuchtung noch etwas optimieren, trotzdem finde ich die Bilder zeigen einen gelungenen Meilenstein dieses Projekts.

Wie bereits erwähnt gibt es noch ein paar kleinere Dinge zu erledigen. Ihr könnt euch also auf einen letzten Teil der TV-Ideal Saga freuen.

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Die Wiederauferstehung des TV-Ideal

Der Cap Job ist nicht geglückt. Wie im letzten Artikel angekündigt geht es jetzt darum, den TV-Ideal durch einen kompletten Tausch des Innenlebens wiederzubeleben.

In meinem letzten Blogpost habe ich den groben Schlachtplan schon zurechtgelegt: Als erstes musste der Automat ausgeschlachtet werden. Ganze Zwei Kisten wurden am Schluss vom Kabelbaum, den ganzen Zwischen- und Adapterplatinen sowie dem Trafo eingenommen. Ganz zu Schweigen von der durchgebrannten Röhre.

Der nächste Schritt bestand darin, den JVC 21″-Röhrenfernseher aus seinem Plastikgefängnis zu befreien.

Glücklicherweise war dies mit dem Lösen weniger Schrauben und ganz wenigen Klickverbindungen erledigt. Hier kann sich heutige Elektronik eine grosse Scheibe von abschneiden. Wer schon mal einen modernen Laptop auseinander nehmen musste könnte eine ganze Arie in 6 Akten darüber aufführen.

Nun kam ein etwas kniffliger Teil, die Röhre samt Chassis sanft aus dem Gehäuse zu heben. Natürlich habe ich dazu die Röhre zuerst entladen. Ebenfalls war es nötig verschiedene Kabel beispielsweise für die Lautsprecher zu entfernen. Mit etwas Mühe war das ungetüm schliesslich aus dem Plastikgehäuse befreit.

Auf einem kleinen Transportwagen welcher früher einmal als Minibar genutzt wurde konnte ich das Fernseherinnenleben schliesslich bequem zum Autoamten chauffieren.

Von Anfang an entschied ich mich dagegen, das Chassis von der Röhre zu entfernen und die ganzen Kabel zu entfernen. Die ganzen Stecker waren teilweise ziemlich klein und auf dem Chassis nicht angeschrieben. Aufgrund der zum Teil recht kurzen Kabel war fotografieren auch sehr schlecht möglich. Ich entschied mich somit, die Röhre mit an den Kabel hängenden Chassis vorsichtig von Oben in den Automaten zu heben. Zwei mal machte ich dies alleine und musste die Röhre dann wieder entfernen.

Obwohl es sich beim Fernseher um ein 21″ Modell handelte, war die Röhre selbst etwas grösser als die Alte. Beim Fernseher ist alleine der sichtbare Teil 21″ gross, bei der Automatenröhre jedoch der ganze Monitor.

Dies hinderte mich aber keineswegs, denn was nicht passt wird passend gemacht. Mit einer oszillierenden Multifunktionssäge trug ich an den betroffenen Stellen in zwei Anläufen genug Material ab, um die Röhre passend im Rahmen zu platzieren.

Insgesamt musste ich die Röhre 4 mal in das Gehäuse heben und vorsichtig wieder herausheben und dabei darauf achten, dass das an den Kabeln hängende Chassis nicht eingeklemmt wird und sozusagen vor der Röhre den Innenraum des Automaten erreicht. Auch das Herausheben war nicht weniger nervenaufreibend wenn nicht gar elektrisierend, denn eine Ecke des Chassis, so merkte ich schnell, wischt einem ganz ordentlich eins, wenn man es anfasst. Von nun an würde ich immer mit Gummihandschuhen arbeiten, da ich schon ein paar mal von diversen Chassis eins geballert bekommen habe.

Ab dem zweiten Mal Hinein und Herausheben holte ich mir schliesslich zwei helfende Hände, was die ganze Aktion massiv vereinfachte.

Nun stellte sich die Frage, wie der Monitor im Gehäuse befestigt werden soll. An der oberen Kante auf dem Bild ist es zu sehen: originalerweise waren diese Metallplatten dafür verantwortlich. Diese hatten auf der unteren Platte nun nicht mehr Platz. Dies war allerdings kein Problem, meine Lösung bestand darin, neue Löcher innerhalb der Befestigungsösen des Monitors zu bohren und diesen dort mithilfe der Original Schrauben und Flügelmuttern zu befestigen.

Der Monitor sass nun bombenfest an seinem Platz und es war die Zeit gekommen, das Chassis im Innenraum zu befestigen. Dabei stellte sich schnell heraus, dass die Kabel des Degauss-Drahtes zu kurz geraten war. Dies wurde kurzerhand verlängert. Dabei habe ich es etwas zu gut gemeint und wohl eine viel zu lange Leitung fabriziert, aber darauf komme ich später zu sprechen.

Das Chassis wollte ich dann mit selbstklebenden Platinenfüssen auf der Rückseite des alten Montagebrettes befestigen, jedoch waren die von mir bestellten Füsse etwas zu klein. Deshalb verwendete ich kurzerhand Platinenfüsse welche mit normalen Schrauben befestigt werden kann. Dabei achtete ich darauf, die “geladene Ecke” des Chassis nicht zu befestigen, sodass man diese bei der Demontage möglichst nicht anfassen muss.

Nun fanden auch die Spielplatine, den RGB zu Scart Adapter sowie der Jamma Kabelbaum den Weg in den Automaten. Ebenfalls schraubte ich eine hundskommune Steckerleiste an die Rückwand des Automaten.

Etwas einen ganzen Tag dauerte alleine das Entwirren und verdrahten mit dem Jamma Kabelbaum. Da bei meinem Billig-Chinaschrott-Kabelbaum nicht die richten Flachsteckhülsen gecrimpt wurden und ich am Sonntag keine passenden kaufen konnte, verlötete ich die ganze Controlpanel kurzerhand. Dies war nicht weiter schlimm, da ich im nächsten Durchlauf sowieso andere Joysticks und Buttons einbauen werde.

Nun mussten noch verschiedene Kabel angeschlossen werden, beispielsweise der Münzschalter, der RGB zu SCART Adapter und die Stromversorgung für die Spielplatine.

Hier entschied ich mich für ein normales PC Netzteil. Jedoch habe ich in der Zwischenzeit erfahren, dass dies äusserst gefärlich ist, da ein PC Netzeil im Falle eines Kurzschlusses einfach weiterläuft und ein Feuer entfachen kann. Deshalb werde ich diese Lösung sobald wie möglich durch ein richtiges Arcade-Netzteil ablösen. Trotzdem möchte ich meine Lösung gerne meine hier zeigen.

Die 5V und 12V und Ground Kabel des Jamma Kabelbaums lötete ich an einen weiblichen 4PIN Molex Stecker.

Dieser Stecker kann an ein ganz normales PC Netzteil angeschlossen werden. Doch damit dieses überhaubt Strom liefert, muss es eingeschaltet werden. Dies kann durch Überbrücken von PIN 4 und PIN 5 am ATX Stecker erreicht werden. Hierzu eignet sich eine ganz normale Büroklammer.

Wer sich über diese Methode genauer informieren möchte, so habe ich hier eine schöne Anleitung gefunden:


Klick

Ursprünglich wollte ich für die Lautsprecher ja noch einen kleinen Verstärker einbauen, jedoch fand ich heraus, dass Jamma Platinen bereits ein Line Level Signal ausgeben und einen Potentiometer onboard haben. Also beliess ich es vorerst dabei.

Zu guter letzt legte ich noch einen LED Streifen hinter das Marquee und schloss alles an der Steckerleiste an. Der TV-Ideal war nach mehrjähriger Verdammnis wiederauferstanden!

Die Wiederauferstehung des TV Ideal

Dieses Projekt hat mir bis jetzt schon sehr viel Freude bereitet, jedoch geht es noch weiter.

In einem nächsten Durchlauf wird der Automat von aussen wie auch inne verschönert und mit neuen Buttons und Joysticks ausgestattet. Die LEDs werden sauber montiert. Ausserdem versuche ich das derzeitige Degauss-Problem zu lösen, was im Moment dazu führt, dass ich die Bildröhre bei jedem einschalten “von Hand” mit einem Magneten entmagnetisieren muss.

Abschliessend noch ein Bild des TV-Ideal in seiner ganzen Pracht:

Ich hoffe, Ihr freut euch genau wie ich auf das nächste Kapitel.

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TV Ideal Netzteil und Chassis Revision #2

Perlen vor die Säue

Im letzten Teil dieser Beitragsreihe habe ich die erforderlichen Elkos des TV Ideal Netzteils und Monitorchassis identifiziert und aufgelistet. Nun ging es an den Einbau.

Das Schlechte vorweg: Die ganze Aktion brachte nicht den gewünschten Effekt: dem Monitor ist kein Bild zu entlocken.

Nun das Positive: Es war eine sehr gute Übung für mich insbesondere da ich nichts “noch mehr” kaputt gemacht habe. Ich konnte mich gut mit dem Lötkolben vertraut machen und weiss nun, wie damit umzugehen ist.

An was könnte es nun liegen, dass die ganze Aktion vergebens war: Ich vermute stark, dass die Röhre ganz einfach durchgebrannt ist. Neben einer dicken schwarzen Dreckschicht auf der Röhre und insbesondere dem Sockel und auch dem sehr “aufgeladenem Gschmäckle” in der Luft beim Einschalten würde ich schätzen dass am Sockel irgendwo ein Kurzschluss ist.

Manchmal ist es besser, seine Fähigkeiten nicht zu überschätzen und zu wissen, wann man genug gutes Geld schlechtem hinterher geworfen hat.

Was heisst das nun im Endeffekt? Nun ja ich hatte mir schon immer einen Plan B für den TV Ideal zurechtgelegt…

Im August ist Metzgete

Unsere nördlichen Nachbaren würden mein vorgehen mit “muss man alles neu machen” beschreiben. Und das ist auch mein Plan. Der TV-Ideal wird geschlachtet und neu bestückt!

Also machte ich mich ans Werk und riss all die unzähligen Platinen und Adapterplatinen, welche mich schon immer genervt haben aus dem Spanplatten-Albtraum.Die verbratene Röhre durfte sich auch endlich aus dem Gehäuse verabschieden und darf sich auf Ihr Grab im Recycling Center freuen.

Per Zufall konnte ich vor ein paar Wochen gratis einen 21″ Fernseher abholen. Genau die gleiche Grösse wie die Bildröhre im TV-Ideal.

Ihr könnt meinen Plan sicher schon erahnen: Die Bildröhre des Fernsehers wird aus Ihrem Plastik-Gefängnis befreit und in das Gehäuse des TV-Ideal eingebaut. Dabei lasse ich das Original-Chassis vom JVC Fernseher intakt und werde das Bildsignal über einen Scart-Adapter vom französischen Hersteller SmallCabs auf den Fernseher führen.

Die Stromversorgung erfolgt vorerst über ein Standard PC-Netzteil und Später über ein normales Arcade-Netzteil, welches auch die für manche Spiele notwendigen -5V liefert.

Der Lautsprecher wird über ein Mini-Verstärker angesteuert.

Verbunden wird das ganze über ein Standard Jamma-Kabelbaum.

Season 2 Preview

In der nächsten Staffel der TV-Ideal Saga könnt ihr euch also auf einen funktionierenden Automaten freuen. Eine Grundvorraussetzung, bevor das Gehäuse verschönert wird.

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Sega Hang-On Restauration #1

Anfang März holte ich zusammen mit einem Kumpel einen Sega Hang-On in Stuttgart ab. Trotz meiner engeschränkten Möglichkeiten am Anfang konnte ich immer wieder kleine Fortschritte verzeichnen. Sämtliche Arbeitsschritte wurden zeitlich versetzt durchgeführt und dies ist keineswegs eine chronologische Arbeitsdokumentation. Diese findet sich in der Projektseite.

Die Ausgangslage: Eine gute Basis

Inseriert war der Hang-On mit einem Wärmeschaden, das heisst nach ca. 20 Minuten Laufzeit würde das Spiel nicht mehr richtig laufen. Dieses Problem hat sich bei mir nicht gezeigt, was wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass der Verkäufer vor dem Verkauf noch die Betriebsspannung leicht erhöht hat. Trotzdem hatte der Automat ein paar Probleme und Unschönheiten:

  • Sockel beschädigt (Transportschaden)
  • Lenkergummi links klebrig, rechts beschädigt (Isolierband)
  • Lenker zieht im Spiel manchmal nach rechts
  • Tachobeleuchtung nur auf einer Seite
  • Startknopf klemmt manchmal
  • Bremshebel sehr locker
  • Bremshebel Farbschaden
  • Unschöner Fleck mitten auf dem Bildschirm
  • Kratzer am Gehäuse
  • Zigaretten-Schmelzabdrücke am Bezel

Die grosse Putzaktion

Der Sega Hang-On war der allererste Automat sowie das allererste Möbelstück allgemein, welches den Weg in meinen Hobbyraum fand. Trotzdem war ich froh, dass ich zumindest einmal mit einem Projekt anfangen konnte. Als allererstes machte ich mich also auf in den Baumarkt und holte eine Trittleiter sowie verschiedene Putzutensilien. Im Internet fand ich einen Verkäufer von Red Devil Spezialreiniger. Mit zwei Sprühflaschen (1x Red Devil, 1x Wasser) machte ich mich daran, den ganzen Siff vom Automaten wegzuputzen. Unglaublich, wie viel Dreck dort vom Automaten wegkam:

Ein paar Wochen später stellte ich fest, dass die Fussablage im Original ein viel kräftigeres Rot hatte, als es bei mir der Fall war. Per Zufall fand ich dann einmal bei meinen Lebensmitteleinkäufen eine Bürste. Damit würde es möglich sein, den ganzen Siff auch noch aus der Fussablage zu bekommen.

Nun zogen wieder ein paar Wochen ins Land, an denen ich an anderen Projekten weiterarbeitete. Doch als ich mir dann die Lenkermechanik anschaute, war gerade die Möglichkeit gekommen, die Scheibe zu putzen und den Abdruck in der Mitte des Bildschirms zu entfernen.

Beim Abnehmen des Bezels fand ich auch schon die erste Überraschung: ein kleines Mülldepot. Passend zu den Schmelzschäden am Bezeln fand ich einige Zigarettenstümmel, Strohhalmverpackungen und anderen Müll hinter dem Bezel. Leider vergass ich, dieses tolle Vorkomnis bildlich festzuhalten. Mit der Bürste und Alkohol und Putzmittel konnte ich schliesslich das Bezel soweit reinigen, dass die Schmelzschäden wenigstens nicht mehr ganz so schlimm aussehen. Hinter dem Plastikbezel verbargen sich zwei weitere Scheiben, eine aus Glas und eine aus Kunsstoff. Beide waren immens dreckig und auf der Kunsstoffscheibe fand sich auch der sichtbare Fleck. Dieser war leider nicht ganz zu entfernen, mit einem Melanin-Reinigungsschwamm konnte ich ihn aber fast ganz wegpolieren.Zu guter Letzt galt es noch die Bildröhre selbst zu reinigen, welche ebenfalls eine dicke Dreckschicht drauf hatte.

Das Ergebnis: Das Spielgeschehen sieht jetzt tausend mal besser aus. Wie Tag und Nacht! Unglaublich, was für einen grossen unterschied saubere Scheiben und Bildröhren machen.

Bildqualität nach dem Putzen der Scheiben und Bildröhre

Überarbeitung des Lenkers

Neben Putzarbeiten arbeitete ich immer mal wieder am Lenker. Als allererstes entfernte ich das Isolierband vom rechten Lenkergummi, nur um festzustellen, dass der Gummi sich irgendwie an die Form des Isolierbandes angeglichen hat.

Da es unmöglich war, genau denselben Lenkergummi wieder zu finden, wollte ich zuerst beide Gummis ersetzen.Ich bestellte also kurzerhand zwei Lenkergummis, welche mir vom Aussehen her gut gefielen. Paralell dazu fand ich im Supermarkt meines Vertrauens ein Gummi-Pflegemittel, welches ich über mehrere Tage verteilt immer wieder auftrug.

Als ich dann meine Ersatz Lenkergummis anbringen wollte, stellte ich fest, dass der linke Lenkergummi bombenfest hielt. Ausserdem fühlte er sich nach der Behandlung mit dem Pflegemittel auch viel besser an. Da es sich um das Original-Lenkergummi handelte, entschied ich mich, nur den rechten Gummi zu tauschen. Dieser kam auch fast von alleine vom Griff weg. Das ganze hatte nur einen Wehrmutstropfen: Der neue Lenkergummi passte nicht zum anderen und fühlte sich im Vergleich zum linken sehr billig und minderwertig an.

Mit diesem Griff würde ich nicht glücklich werden, also bestellte ich mir kurzerhand einen anderen. Nach einigem Suchen fand ich einen Griff, welcher dem Original-Griff sehr nahe kam. Dieser war ebenfalls schnell angebracht.

Nun machte ich mich an die Revision der Mechanik/Elektronik. Nachdem ich mir die passenden Bits für die Sicherheitsschrauben beschafft hatte, war das Bedienpult schnell demontiert und nach unten geklappt. Dort fand ich dann verschiedene Zahnradabschnitte zu sehen, welche die Drehbewegung zu einem 5k-Potentiometer übertrug. Ich gönnte beiden Teilen einen kleinen Spritzer WD-40 und machte mich dann daran, den Potentiometer zu messen. Das Spektrum reichte dabei von 1Ω (Lenker ganz links) zu 3.6Ω (Lenker ganz rechts). Der Verkäufer hatte mir noch eine Tüte mit der Anleitung un einigen Ersatzteilen mitgegeben, dort war ebenfalls dieser 5K-Potentiometer dabei. Dieser Ersatz-Potentiometer hatte ein Spektrum vom 0Ω bis 4.9Ω. Da dieses Bauteil ebenfalls schon gebraucht war, also eher ein Alt-Teil weil, entschied ich mich, den Pot nicht zu tauschen, da im Spiel sämtliche Winkel problemlos erfasst werden und die Lenkbewegung sowieso nicht das ganze Spektrum des Potentiometer abdeckt. Ich stellt sicher, dass sämtliche Flachsteckkontakte wieder fest an Ort und Stelle sitzten und beliess es dann dabei.

Als nächstes machte ich mich daran, die vordere Verschalung des Lenkers zu entfernen. Dort konnte ich die zwei T10 Glassockellampen wechseln. Laut Handbuch ist die Lampenfassung auf 14V und 0.26A ausgelegt, also ca 3.64 W Leistung. Im Baumarkt finden sich allerdings nur Birnen mit 5W Leistung unter 12V. Da ich keine Probleme wegen eventuell überhöhter Temperatur haben wollte, fand ich schliesslich im Internet 2W Birnen. Diese würden zwar nicht ganz so hell sein, aber damit kann ich gut leben.

Danach schaute ich mir das Problem mit dem lockeren Bremshebel an. Durch verstellen einer Mutter am Endstück des Bremsdrahts konnte ich fast den ganzen Bewegungsradius des Zahnradabschnitts wiederherstellen. Ich bin mir sicher, dass ich mit ein paar günstigen Hausmitteln dies wieter verbessern kann. Ich muss mir also nicht unbedingt einen neuen Bremsdraht kaufen.

Einstellen des Bremsdrahtes durch Arretierung der Mutter am Endstück

Zu guter letzt widmete ich mich noch dem Startknopf. Durch simples lösen eines O-Ringes konnte ich es schaffen, dass der Startknopf nicht mehr verkeilt und zuverlässig wieder zurückspringt.

Das Ergebnis: Ein schönes teilrevidiertes Bedienpult.Ob alle meine Eingriffe dauerhaft Wirkung zeigen wird sich zeigen.Ich werde es auf jeden Fall gerne ausgiebig testen.

Ende der ersten Etappe

Gerne zeige ich euch hier noch ein Bild des Ergebnisses der ersten Etappe:

Gerne möchte ich noch meine To-Do Liste vom Anfang wieder aufgreifen und die entsprechenden Punkte abhaken:

  • Sockel beschädigt (Transportschaden)
  • Lenkergummi links klebrig, rechts beschädigt (Isolierband) ✅
  • Lenker zieht im Spiel manchmal nach rechts ✔
  • Tachobeleuchtung nur auf einer Seite ✅
  • Startknopf klemmt manchmal ✔
  • Bremshebel sehr locker ✔
  • Bremshebel Farbschaden
  • Unschöner Fleck mitten auf dem Bildschirm ✅
  • Kratzer am Gehäuse
  • Zigaretten-Schmelzabdrücke am Bezel

Im nächsten Abschnitt wird es also darum gehen, verschiedene optische Makel auszubessern. Ich werde mir dafür noch ein paar Dinge einfallen lassen müssen.