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Restauration

Extreme Makeover für den TV-Ideal

In meinem letzten Beitrag habe ich den TV-Ideal ein neues Innenleben verpasst, nun geht es darum den 70er-Jahre Look etwas aufzuwerten.

Erstmal Compüterlen

Das Konzept stammt noch aus dem Jahre 2015: Der TV-Ideal soll zu einem Double Dragon konvertiert werden.

Als damals beim Anschliessen der Double Dragon PCB der Monitor kaputt ging und, wie wir jetzt wissen, nicht mehr gerettet werden konnte, soll dieser Automat nun permanent zu einem Double Dragon konvertiert werden als Symbolbild für mein Durchsetzungswillen.

Als erster Job stellte sich mir das Drucken der Vinyl-Folien. Also setzte ich mich an den Computer und fing an, HiRes Scans des Double Dragon Artworks zu suchen. Da ich nicht 1:1 die gleichen Dimensionen an meinem TV-IDEAL wie an einem Original-Double Dragon vorfand, musste ich dies anpassen. Beim Sideart wollte ich ursprünglich ein Taito Generic Sideart aufbringen. Hier stiess ich in einem Arcade-Forum auf einen Händler, welcher sich auf Klebefolien für Arcade-Automaten spezialisiert hatte. Dieser hatte dieses Design für das “Hellomat” Gehäuse bereits umgesetzt und würde es einfach für den TV-IDEAL Standard anpassen können.

Dieser Händler hatte ebenfalls schon ein Design für den TV-Ideal erstellt und eine Vorschaudatei im Forum veröffentlicht. Dies konnte ich als Vorlage für mein angepasstes Double Dragon Design verwenden und ich würde sicher gehen, dass die Dimensionen bzw. Seitenverhätlnisse stimmen.

Also warf ich mein Lieblings-Grafikprogramm “Gimp” an und fing an die Designs zusammenzuführen. Manche Dinge würden nicht mehr passen oder musste von Grund auf neu designt werden, insbesondere das Control-Panel Overlay. Dies war darin begründet, dass der TV-IDEAL ein anderes Button-Layout hat als ein Original-Double Dragon. Nachdem ich mir ein paar Abende ein paar Stunden dafür Zeit genommen hatte, war mein Werk schliesslich vollendet:

Dies ist natürlich nur ein Vorschaubild. Die Originaldatei ist viel grösser. Meine Druckdatei war sogar absichtlich “viel zu Gross” ausgelegt, da ein Verkleinern der Grafik weniger ein Problem darstellt, als das vergrössern einer Datei mit kleiner Auflösung.

Falls Ihr an diesem Design interessiert seid, setzt euch bitte mit mir oder direkt mit dem Händler https://arcadeartshop.de/

in Verbindung. Er dürfte die Files noch haben und auch direkt zum Drucken schicken. Auch kleinere Anpassungen sind sicherlich noch möglich. ich kann diesen Händler vollumfänglich empfehlen.

Der Preis fand ich ebenfalls in Ordnung, obwohl mir das Sideart zu teuer war, was aber eher am Produkt geschuldet ist und nicht an der Marge des Händlers. Deshalb entschied ich mich, nur die von mir designten Folien drucken zu lassen und den Automaten zu bemalen. Hier wollte ich mich am Design der Webseite orientieren, also ein Schwarzer Untergrund mit pinkem Gittermuster. Dies führte mich zu meinem nächsten Arbeitsschritt.

30 Jahre Vandalismus wegspachteln

Als erstes montierte ich die Fronttür ab und schliff es grob ab. Mir fiel dabei auf, dass die Kanten sowie eine Ecke durch den langem Betrieb etwas in Mitleidenschaft gezogen worde ist. Ich bastelte einen Rahmen für die abgebrochene Ecke und schmierte sie grosszügig mit Universal-Spachtelmasse zu, was sich im Nachhinein als grosser Fehler herausstellen sollte.

Wie bereits erwähnt war die Universal-Spachtelmasse für eine derart grosse Spachtelarbeit nicht geeignet und die Ecke brach ganz einfach wieder ab.

In der amerikanischen Arcade-Szene wird bei solchen Arbeiten immer die Automobil-Spachtelmasse “Bondo” empfohlen, welche jedoch bei uns nicht verfügbar ist. Ich fand allerdings eine europäische Alternative namens “presto”. Ich kann dieses Produkt vollumfänglich empfehlen, es ist ein wahres Wundermittel. Das Zeug wird sauhart und hält bombenfest, man könnte wohl ein ganzes Haus damit bauen.

Auch hier bastelte ich mir zuerst wieder einen Rahmen aus einer alten Zigarrenschachtel und füllte den Ecken wieder auf, jedoch klebte die Spachtelmasse dann zu sehr am Holz der Zigarrenschachtel sodass die Ecke ein zweites Mal abbrach. Als kleinen Tipp erfuhr ich später, dass ich die Zigarrenschachtel mit WD-40 hätte einspritzen sollen, dann wäre dies nicht passiert. Auf jeden Fall spachtelte ich dann im Dritten Anlauf munter drauf los und schmierte Zeug drauf was das Zeug hielt und schliff dann den Überschuss ab. Dies ist zwar nicht der richtige Weg, jedoch funktionierte es ganz gut und ich hatte wieder eine schöne Ecke und Kate an der Fronttüre.

Als nächstes musste ich diese Arbeitsschritte noch für das gesamte Automatengehäuse wiederholen. Zuerst schliff ich mir am ganzen Gehäuse einen ansehnlichen Tennisarm.

Nun besserte ich auch hier noch einige Kanten und Ecken mit der Spachtelmasse aus und schlief dies ab.

Nun ging es daran, das Gittermuster für die Malerarbeiten vorzubereiten.

Pythagoras dreht sich im Grab um

Als erster Schritt galt es nun, ein Gittermutster aufzuzeichnen, was als Grundlage für das Malerkrepp gelten soll. Dafür verwendete ich eine ultralange Wasserwage. Aufgrund des Gewichts brach mir fast der Vorderflügel ab und deshalb machte ich diesen Schritt in zwei Anläufen.

Anhand dieser Linien wurden schliesslich das Malerkrepp aufgeklebt:

Der Plan war ja, ein pinkes extrabreites Gittermuster aufzupinseln was dann erneut mit Malerkrepp abgedeckt wird und dann mit Schwarzer Farbe übermalt wird. Also musse ein Grossteil dieser Klebebahnen wieder herausgeschnitten werden.

Ran an den Pinsel

Nun wurde das ganze Gehäuse noch grosszügig mit Entfetter behandelt und dann in zwei Schichten mit telemagenta bemalt. Die Farbe trug ich mit einem Pinsel auf und ich entschied mich aus entsorgungstechnischen Grünen für Wasser-verdünnbaren Lack.

Als nächster Schritt musste nach dem Trocknen das Klebeband wieder weggekratzt werden. Da ich dies viel zu spät machte ging es entsprechend schlecht vonstatten.

Nun klebte ich das eigentliche Gittermuster mit dem Spezial-Klebeband “Frog Tape” ab.

Obwohl dieses Klebeband speziell dafür geeignet sein sollte, gut zu haften und schöne Kanten hervorzubringen, so hielt an einigen Ecken und einige ganze Bahnen nicht mehr richtig, als ich die Schwarze Farbe mit der Rolle auftragen wollte.

Ich probierte das Klebeband mit noch mehr Klebeband an den Kanten zu fixieren und hoffte aufs Beste.

Satisfaction Level over 9000

Nun konnte ich das Frogtape wieder abziehen und das Gittermuster würde zum Vorschein kommen: ein magischer Moment, den ich euch nicht vorenthalten will.

Gerne zeige ich euch nun das Endergebis der Malerarbeiten. Leider hielt das Frogtape nicht ganz was es verspricht, wobei anzumerken gilt, dass dort wo es gehalten hat, die Kanten wirklich schön wurden.

Als letzter Schritt blieb mir nun nur noch das Versiegeln mit Klarlack übrig. Hier entschied ich mich für Spraylack des deutschen Filzstiftherstellers Edding, bei dem ich mich endlos daran genervt habe, dass kein Sprühkopf mitgeliefert wird. Bei dem Premium-Preis dürfte dies selbstverständlich sein.

Fort Knox und Weihnachtsbeleuchtung

Als nächstes baute ich die Fronttüre wieder zusammen und baute ein neues Schloss ein, dies lief relativ problemfrei, da das Schloss bereits entfernt worden war.

Bei der Kassentür hatte ich jedoch grosse Probleme. Natürlich hatte ich keinen passenden Rundschlüssel, auch mit dem Engländer oder der Rohrzange konnte ich die Arretierungsmutter nicht lösen. Selbst ein durchbohren war nicht möglich. Es blieb mir nichts anderes übrig, als das richtige Werkzeug zu kaufen.

Parallel dazu brachte ich das neue blaue T-Molding an. Mit einem Schraubenzieher und einer Zange war es sehr einfach, das alte T-Molding zu lösen.

Um mit dem neuen T-Molding um die Ecken zu kommen empfiehlt es sich, einen Teil der Nutfläche herauszuschneiden.

An ein paar Stellen flog das T-Molding trotzden immer wieder raus, hier half mir etwas Heissleim.

Als nächstes wollte ich die Marquee Beleuchtung noch sauber montieren. Dazu schnitt ich mir ein Stück Karton zurecht und klebte es oben hinter das Marquee. Leider musste ich noch ein Stück wegschneiden, da ich falsch gemessen hatte. Auch zum Schluss ist dies noch nicht ganz ideal und wird noch einmal korrigiert werden müssen.

Da es sich um RGB-LEDs handelt kann ich diese noch farblich anpassen und am Schluss die Farbe wählen, die am besten aussieht.

Folienarbeit

Nun war die Zeit gekommen, die Folien anzubringen. Als erstes entfernte ich hierzu alle Buttons und Joysticks des Control Panels.

Der linke Joystick stellte sich dabei als besonders widerspenstig heraus, doch mit einem Hammer und genug Gewalt konnte der Joystick schliesslich entfernt werden.

Als nächstes musste noch das Loch für den Spiel-Umschalter gebohrt werden. Mit diesem Knopf soll dann zwischen Double Dragon I und Double Dragon II umgeschaltet werden können.

Mit etwas Geduld und durch Kühlung des Bohrkopfes gelang es mir schliesslich, das Loch zu bohren.

Leider war das Loch danach noch nicht gross genug. Mit einer Rundfeile konnte dies allerdigs noch korrigiert werden.

In der warmen Stube einer guten Freundin machten wir uns dann daran, die Folien erst einmal zuzuschneiden, leider waren die Folien etwas zu gross geraten, was aber nicht schlimm war.

Danach beklebten wir die komplette Folie samt weissem Bildschirmauschnitt auf die Glasscheibe. Den weissen Bildschirmauschnitt schnitten wir nachher heraus und zogen es von der Glasscheibe ab. Ein paar weisse Ränder sind noch zu sehen, jedoch werde ich diese mit einem schwarzen Filzstift übermalen.

Danach war noch das Control-Panel an der Reihe. Zu zweit ging das ganz gut auch um die Kante, ich war froh, habe ich mir Hilfe geholt.

Das grosse Finale

Nun galt es nur noch, alles zusammenzusetzen und Bilder des fertigen Kastens zu machen. Zu den Bildern möchte ich anmerken, dass die Jamma PCBs noch nicht wieder eingebaut wurden und auch das Degaussing Problem noch nicht gelöst wurde. Ausserdem werde ich die Marquee Beleuchtung noch etwas optimieren, trotzdem finde ich die Bilder zeigen einen gelungenen Meilenstein dieses Projekts.

Wie bereits erwähnt gibt es noch ein paar kleinere Dinge zu erledigen. Ihr könnt euch also auf einen letzten Teil der TV-Ideal Saga freuen.

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